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Der Perseidenschauer

Du hast mich benutzt. Ich weiß nur nicht für was. Auf einmal warst du da, warst gar nicht geplant. „Lass mal zu der Party heute Abend gehen, da ist eine vom Festival, die ist süß.“ Du hast strahlend blaue Augen. Ich gebe dir ein Bier aus, damn bin ich cool. Vor lauter Nervosität mach ich mich ein Jahr älter. Unser erster Kuss draußen auf der Ladefläche. Wir steigen in dein Auto, du hast getrunken, ist mir nicht egal, ich steige trotzdem ein. Zuhause gibts ein Fisherman‘s gegen den Mundgeruch, bis dahin spielen wir Street Fighter auf meiner Nintendo. Kann man sich nicht ausdenken. Das erste Mal Sex. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie es war. Ich gib dir meine Nummer, du schickst ein Gif als Antwort.

5 Minuten wohnst du von mir weg. Bist einmal bei mir. Neuer Rekord für meine Walk of Shame Statistik. Du stellst mich deinen Freunden vor, wir sitzen auf deinem Balkon und reden über Orte, zu denen wir fahren wollen. Wir gehen ins Kino, du kochst für mich. Du fährst in Urlaub, schickst mir Surfer Bilder von dir, deine blauen Flecke. Ich fange an dich zu vermissen. Du schläfst dort mit einer anderen. Willst keine Beziehung. Ich bleibe trotzdem. Vielleicht, denke ich.

Ich lade dich zu meinem Geburtstag ein, du sagst nicht zu, sagst nicht ab, kommst am Ende nicht. Wollte doch nur, dass meine Freunde dich kennenlernen. Dann Perseiden-Nacht. Sternschnuppen schauen. Romantische Idee. Du wirst am gleichen Tag gekündigt. Ich weiß nicht was du brauchst. Du willst nicht drüber reden und redest die ganze Zeit drüber. Du küsst mich, okay, du brauchst Ablenkung, die geb ich dir. Ich nehm dich in den Arm, kann ich dir noch was Gutes tun? „Kannst du bitte einfach gehen?“

In dieser Nacht wünschte ich, es gäbe Paracetamol für die Seele. Für das Loch war ich gut genug, als Mensch nicht. Wir treffen uns im Irish Pub, der Ort unseres zweiten Dates. Du sagst, es tut dir leid. Erzählst mir vom Geburtstag deines Dads. „Ich hätte ja auch gerne, dass du da mitkommst.“ Ich bleibe. Vielleicht, denk ich. Einen Monat später, wieder im Irish Pub. Wolltest dich an einem öffentlichen Ort treffen, ich mache mich hübsch für das Ende. „Der Funke ist nicht übergesprungen.“ „Ich hatte das Gefühl, dass ich mich jetzt entscheiden muss, wie das hier weitergeht.“ „Es gibt niemand anderen, ich will, dass du das weißt.“ „Es tut mir echt voll leid.“

Wir waren ja nicht zusammen, nie diesen Stempel draufgesetzt. Clever. Mit mir schlafen ging, mich lieben nicht. Kenn ich schon.

Nicht zusammen, trotzdem getrennt, mit zwei Früchtetees zwischen uns. Spricht ja aber nichts dagegen, Freunde zu bleiben. Klassiker. Spoiler: Wir bleiben keine Freunde. Bist nicht allzu aktiv auf Social Media. Noch nicht mal diese Genugtuung gibst du mir.

5 Minuten wohnst du von mir weg. Jeden Tag am Fenster deines Mitbewohners vorbei. Jeden Tag die Vorstellung, dir rein zufällig zu begegnen. Ich seh dich nicht einmal. Falsch, einmal von hinten, mit einer Anderen. Zum ersten Mal verstehe ich das Sprichwort: Auf dem Absatz umkehren.

Du hast mich benutzt. Ich weiß nur nicht für was. Auf einmal warst du da, warst gar nicht geplant und bleibst. Immer mal wieder in Kopf und Bauch. Ob du manchmal auch an mich denkst…geh doch einfach.


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